Sonntag, 8. Juli 2012

Wenn es feucht wird - Der Haslinger Hof Virus



Es gibt Dinge auf diesem Planeten, die kann man nicht erklären, die muss man gesehen haben. Dinge die biblische Ausmaße haben. Dinge die einfach göttlich sind.

War mal wieder übers Wochenende in Bad Füssing, in der Stadt mit den drei „R“. Warum drei „R“? Weil alles was man dort trifft sind entweder Rentner auf Kur, Rehabilitanden aus den Kliniken und die „Rindvicher“ im Haslinger Hof. Letztere setzen sich meißt aus den beiden anderen Gruppen zusammen. Die Einwohner der Stadt könnten einem fast etwas leid tun.

Wer in Bad Füssing gewesen sein will, der muss an einem Freitag oder Samstag Abend den Haslinger Hof besucht haben, um überhaupt behaupten zu dürfen diese Stadt erlebt zu haben. Außerdem hat man die Show seines Lebens verpasst, wenn man nicht dort war.

Man muss sich vorstellen, durch, die oben schon beschriebenen drei vorkommenden Menschengruppen, bewegt sich in dieser Stadt keiner schneller als ein Rollator an einer 20%-Steigung, außer dieser ist motorisiert. Solange ich nicht auf RTL2 die Sendung „Pimp my Rollator“ sehe werde ich daran aber nicht denken. In dieser Stadt könnte ein Schweizer mit einem Bein ohne Probleme einen 100-m Sprint gewinnen – tagsüber.

Sehr viel schwerer wird das ab dem späten Nachmittag und schier unmöglich am Abend, denn da ist Haslinger Zeit. Wenn die Zeit hereinbricht ist das ein Anblick wie in einem Zombie-Film. Jeder Gast dieser Stadt, egal mit was ausgerüstet, ob Rollator, Rollstuhl, Krücken oder einfach nur Tourist wird plötzlich wie von Geisterhand erweckt und macht sich auf den Weg in dieses Etablissement. In Massen strömen die Menschen über die Straßen, Wege, Wiesen und Felder zu den Eingängen.

Zuerst bleibt alles noch sehr harmlos. Es wird was getrunken, gegessen, miteinander gesprochen. Diese doch so friedliche Idylle wird sich aber sehr schnell ändern, denn dann schlägt er zu der Haslinger Virus. Allerdings scheinbar nur ab der Generation 40+, Jüngere bleiben von diesem Erreger (und wenn ich Erreger schreibe, dann mein ich auch ERREGER) verschont.

Das Grauen hat einen
Namen
Das positive an diesem Virus ist, dass es Wunder voll bringen kann, daher nenne ich es auch das Jesus-Virus. In Verbindung mit hörbar veralteter aber spezieller exotischer Musik und einer Tanzfläche vollbringt es Taten die den Naturgesetzen völlig widersprechen. Sobald der Infizierte auf Musik und Tanzfläche stößt, werden Rollstuhl und Rollator geparkt, die Krücken ins Eck geworfen, Mumien werden ausgewickelt und dann geht es los, es wird getanzt – und zwar, ich traue es mich kaum zu schreiben, FOX.

Jawohl, der Stadl brennt, Lahme können wieder gehen, Blinde wieder sehen und Mumien wieder stehen. Besonders als letzte genannte Art ist mir, ich glaube es war Königin Nofretete persönlich, dort begegnet. Vielleicht war es aber auch nur ein normaler Lifting-Unfall, hat sie doch durch ein Zwinkern im linken Auge glatt das linke Bein mit in die Höhe gerissen. Ist moderne Medizin nicht herrlich?

Der Nachteil des Virus ist aber genau so erschreckend wie sein Vorteil. Sind die Betroffenen erstmal in das FOX-Delirium eingetreten, wird das Verhalten desjenigen so verändert, dass dieser sich so benimmt als wäre er mitten auf dem Höhepunkt seiner Pubertät. Hier sind die weiblichen Patientinnen wesentlich stärker betroffen als die männlichen, erinnern diese beim aufeinander treffen der Geschlechter doch eh immer an liebestolle Karnickel, egal wo sie sich gerade befinden.

Das schlimme daran ist, dass sich nun beide Seiten so verhalten. Das breitet sich dann im ganzen Haslinger Hof aus und bleibt nicht auf die FOX-Hölle beschränkt. Zu späteren Stunde wird dieses Paarungsverhalten der Infizierten im Disco Teil des Hofes fortgesetzt. An dieser Stelle sollte sich mal jeder seine Schwiegermutter vorstellen, die in einem Neon-gelben Mini-Irgendwas und feucht wie ein Kieslaster, einem grauhaarigen Pferdeschwanzträger mit spanischen Fächer in der Hand hinterher hechelt. So schaut die Lage dort nämlich aus.

Zuweilen kommt dann die eine oder andere Dame mit Kleidergröße 50 auf die Idee sich in ein knall rotes Kleidchen der Größe 42 zu pressen und genau so schaut es dann auch aus - wie a roter Presssack, der zulange in der Sonne gelegen hat. Die Nächste verpackt ihre Oberweite so ungünstig, dass man hier nicht mehr von Körpchengröße sprechen, sondern maximal den Unterschied zwischen großer oder kleiner ALDI-Tüte erkennen kann.

Also, wenn Frauen die wahrscheinlich das Alter haben um die Oma meiner Schwiegermutter zu sein, auf die Idee kommen, dass ihnen Mini-Rock und Hotpants auch stehen könnten bekomme ich Angst. Einige der Herren würden wohl auf der Kardiologie landen bei diesem Anblick, ich bekomme einfach nur Angst. Das sind mir zu viele Details das unweigerlich zu sehr schlechtem Kopfkino führt.

Die weibliche Kriegsbemahlung möchte ich nicht unerwähnt lassen. Zwar ist mir noch nicht ganz klar, ob diese durch schminken entanden ist, oder ob die Damen einfach nur beim Paintball verloren haben.  

Man sieht auf den Tanzflächen auch wirklich kaum „junge“ Leute. Ein paar stehen zwar außen herum, aber ich glaube das sind die Krankenpfleger der Tänzer, die sie am Ende des Abends wieder zu ihrem Rollator führen, bevor sie zurück auf die Station mit den Koma-Patienten gebracht werden.

Da haben die Oldies plötzlich eine Kraft und Kondition, das ist unvorstellbar. Selbst wenn da mal einer zusammen klappen sollte, einfach Defibrillator ansetzen und zwei, dreimal Power drücken, schon rappt der Opa wieder. In seinem Alter hält er sich wohl nicht für 50cent, eher wohl für 50Reichsmark, aber sonst passt ja alles. Nehme an, das liegt an einer Überdosis der Mischung Red Bull und Viagra, oder so was ähnlichem.

Am schlimmsten ist wohl aber die 40+Generation. Die Männer ausgerüstet mit dem Jägerblick und Zunge immer Richtung Kniescheibe deutend, jagen sie den willigen Trockenpflaumen im dritten Frühling hinter her. Das diese willig sind, merkt man schon an der Atmosphäre im Raum. Die verbreitet sich komplett im ganzen Areal, ist es doch FEUCHT wie im Regenwald. Würden die Frauen dort mit Eimern zwischen den Beinen herum laufen, wir könnten alle Wüsten dieser Welt ergrünen lassen. Scheinbar sind die Zungen der Herren doch lange genug um schon auf der Tanzfläche unter den Mini zu gelangen. Anders kann ich mir es nicht erklären. Da kann ich jetzt nur hoffen, dass es nicht daran liegt, dass einige ausprobieren wollten was beim Treffen von Zungen- und Intim Piercing passieren kann. Wäre untröstlich!

Also dieser Virus hat es wirklich in sich. Für Personengruppen, die aus alters- oder medizinischen Gründen in Bad Füssing sind und bis zur Tanzfläche Unterstützung beim Gehen benötigen, grenzt das an Wunderheilung. Gut, die Art der Bewegungen sind dann meist auch etwas seltsam, weiß man doch nie tanzt der- oder diejenige noch, oder ist es schon ein Anfall. Ganz wird man es wohl nie klären können. Ich denke ja, der Ausdruck BpM bedeutet gar Bandscheibenvorfälle pro Minute und wurde vom medizinischen Personal in Bad Füssing erfunden.


Die Auswahl der Damen und Herren die dort herum stolpert ist nun auch etwas fragwürdig, läuft doch das meiste unter der Rubrik Resteficken, aber sonst ist alles in bester Ordnung, sind doch am nächsten morgen wieder alle damit beschäftigt sich zu erzählen, in welcher schlechter Verfassung sie sich befinden. Na dann muss ich mir ja keine Sorgen machen, die Kur geht ja am Abend weiter, wenn es wieder heißt, Willkommen im Haslinger Hof – Willkommen im Rentners Paradies!

Eigentlich sollte ein Besuch dort in jedem Reha-Plan stehen und die Kosten von den Krankenkassen oder der Rentenversicherung übernommen werden. Ich behaupte, dass sollten uns unsere Alten Wert sein. Andererseits, sollte dieses Treiben von einem Bild-Zeitungs-Reporter endeckt werden, wir hätten sofort wieder einen neuen Gammelfleisch-Skandal.

Kommentare:

  1. Wenn man die Situation Haslinger echt kennt, braucht man sich mit diesem Unsinn hier nicht weiter zu beschäftigen.
    Wäre interessant, mit dem Autor in ca. 50 Jahren zu sprechen...

    AntwortenLöschen
  2. Ein bisschen Wahrheit ist da schon drin. Wenn man jedoch selber, vom Alter her, dazugehört ist es ganz nett dort. Es muss ja auch nicht jeder zum Hasi gehen wenn er sich noch zu jung dafür fühlt. Wieso soll sich denn die ältere Generation nicht vergnügen dürfen.

    Habe die Ehre.

    AntwortenLöschen
  3. Habe noch nie so einen Unsinn gelesen,es gibt auch Leute und das nicht nur die ältere Generation die gerne Tanzen und das nicht nur Fox sondern Cha Cha,Rumba oder Boogie aber das sind für den Schreiber sicher Fremdwörter.
    Servus

    AntwortenLöschen
  4. ich wünsche dem schreibenden Windelträger das er in ein paar Jahren seinen getunten Rollator schnell genug parken kann um seiner jetzt gleichaltrigen Generation hinterher zu hecheln.
    Viel Erfolg & Grüezi

    AntwortenLöschen
  5. Da hat es einer auf den Punkt gebracht,ich hab konnte mir ein großes Grinsen nicht verkneifen!
    Allerdings bin ich auch gern beim Haslinger ob mit oder ohne Mumien,man kann sich gut unterhalten auch jenseits der 40iger.
    Träumst du noch oder schiebst du schon ? (Rollator versteht sich)

    AntwortenLöschen
  6. An die liebevollen Kritiker: Danke, dass ihr euch so ausgiebig mit dem Text beschäftigt und euch sogar darin wieder erkannt habt. Ich möchte betonen, dass ich selbst ein großer Fan vom Haslinger Hof bin: angehnemes Ambiente, gute Essen, freundliches Personal. Für seine illustren Besucher kann man "ihn" nicht verantwortlich machen.

    Was den Windelträger angeht und die anderen liebevollen Bezeichnungen: In 50 Jahren bin ich 89 Jahre alt und wahrscheinlich zu vergesslich um mich an den Haslinger Hof zu erinnern.

    AntwortenLöschen